Bin ich wirklich auch ein “Elter”?
26. Juli 2010 | Von Papa | Kategorie: PapablogZwar hinke ich hinterher wie die alte Fasnacht, das meiste zu den Sprachleitfaden der Stadt Bern und des Bundes wurde wohl auch schon geschrieben, alle haben sich gebührend darüber aufgeregt und gelacht wurde wohl auch reichlich – ich muss es aber trotzdem festhalten: Ich bin auch ein Elter! Wäre ich nicht heute früh zufälligerweise einmal mehr über diese unglaubliche Wortschöpfung gestolpert, ich hätte sie wohl mit fröhlichem Vergessen gesegnet, aber eben. Wussten Sie, dass es auf Wikipedia einen Artikel zu diesem Wort gibt? Achtung, hier kommt das Zitat:
Ein Elter ist die Bezeichnung für ein Elternteil, das heißt entweder Vater oder Mutter. Es ist eine künstlich gebildete Einzahlform zum Pluraletantum „Eltern“.
…
Also, ich weiss ja nicht, wie es Ihnen geht. Mir als einigermassen sprachaffinem Menschen ist im ersten Moment die Spucke weggeblieben, im zweiten Moment musste ich einfach lachen (und bevor ich weiterschreibe: Ich werde nicht jeden einigermassen männlich klingenden Begriff dieses Beitrags in eine nicht existente weibliche Form verwandeln, wie dies bei Beiträgen zu diesem Thema, so könnte man zu mindest meinen, ein ungeschriebenes Gesetz ist).
Haben wir in unserer Gesellschaft wirklich nichts wichtigeres zu tun, als unsere Kinder mit Begriffen, die jeder Lesefreundlichkeit (früher: Leserfreundlichkeit) spotten, davon zu überzeugen, dass Männlein und Weiblein gleich viel wert sind? Ist es wirklich mittlerweile so arg um unser Verständnis des Zusammenlebens bestellt, dass Menschen in unserer Mitte Begriffe wie Lehrerzimmer, Fussgängerstreifen oder Arztpraxis (Laut Sprachleitfaden sind anstelle dieser Begriffe künftig “Pausenzimmer”, “Zebrastreifen” und “Praxis für Allgemenmedizin” (!) zu verwenden) als diskriminierend empfinden? Kommen wir tatsächlich nicht mehr umhin, deutsche Begriffe, für die es kein geschlechtsneutrales Synonym gibt, aus unserem Wortschatz zu streichen und durch einen englischen Ausdruck zu ersetzen (“Mannschaft” heiss neu “Team”). Oder eben, um auf den Einstieg zurückzukommen: Schränken Begriffe wie Mutter oder Vater die Behörden in ihrem Sprachgebrauch derart ein, dass statt ihrer konsequent auf den neutralen Ausdruck zu setzen ist? Mir ist wohl bewusst, dass es gerade in der Behördensprache immer wieder Aussagen gibt, die sich gleichermassen auf Mutter und Vater beziehen, aber nur ein Elternteil meinen – nur: Müssen wir die Behördensprache durch derart krude Ausdrücke wirklich so sehr entstellen, dass Otto Normalverbraucher sie schlicht nicht mehr versteht? Oder anders herum: Glauben unsere Politiker und Beamten wirklich, Gleichberechtigung werde durch sprachliche Feinheiten gefördert?
Ich bin Vater zweier Kinder, glücklich verheiratet mit einer Mutter zweier Kinder und wir werden uns hüten, unsere Kinder glauben zu machen, Gleichberechtigung basiere auf intellektuellen Wortschöpfungen, die nicht alltagstauglich sind.