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Der Tag als unser Kleiner ein Grosser wurde

Veröffentlicht am Montag, 7. Juni 2010, 14:04 | Kein Kommentar

Während Mama und Papa beide von eher kleinem Wuchs sind, zeigte sich bei Sohnemann schon früh, dass er dereinst definitiv nicht zur Kategorie der unter 170 cm grossen Erwachsenen gehören würde. Das kümmerte uns indes nicht das geringste, er war – und ist bis heute, aber das ist für den Post hier nicht wichtig – ein Wonneproppen und ein echter Sonnenschein mit viel Freude im Herzen – und vor allem war er von Beginn weg unser “Kleiner”. Wenn wir ihn heute als unseren “Grossen” bezeichnen, hat das wenig damit zu tun, dass er als zweieinhalbjähriger grösser als die meisten dreijährigen ist, nein, es geht vielmehr um unsere Wahrnehmung. Und den Tag, an dem er zu eben dem wurde – dem “Grossen” nämlich – kann ich aufs Datum genau bezeichnen: Es war der 11. April 2009, genau genommen um 12.13. In jenem Moment wurde Sohnemann vom Einzelkind zum Bruder.

Es ist ziemlich faszinierend, wie sich die elterliche Wahrnehmung ändert, wenn das zweite Kind kommt. Wir haben gute Freunde, die zwei Tage vor der Geburt mit Ihrer vier Monate alten Tochter zu Besuch waren. Wir haben das Mädchen in den Armen gehalten – voller Vorfreude darauf, wie es dann in absehbarer  Zeit sein würde, wenn wir unser eigenes zweites Kind in den Armen halten würden. Und wir glaubten, die Tochter unserer Freunde sei winzig – was im Vergleich zu Sohnemann auch stimmte. Drei Tages später, als sie uns dann im Krankenhaus besuchten änderten wir unsere Meinung radikal – sie war riesig im Vergleich zu unserer neugeborenen Tochter.

Bezüglich unseres Sohnes änderte sich die Wahrnehmung jedoch noch viel radikaler – schlicht, weil wir viel mehr mit ihm zusammen waren. Von einem Tag auf den anderen waren gewisse Dinge selbstverständlich, unsere Geduld mit ihm geringer – und ob wir es wollten oder nicht – unser Umgangston mit ihm veränderte sich. Unsere grosse Frage, ob wir ihn denn nach der Geburt von Mäuselchen noch gleich fest lieben würden, wie vorher beantwortete sich ebenfalls ziemlich rasch: Ja! Natürlich. Allerdings veränderte sich die Liebe – es war nicht mehr die Liebe zu einem Baby, sondern jene, zu einem selber denkenden Charaktermenschen mit eigenem Willen und eigenem Verstand. Plötzlich ging es nicht mehr primär darum, wann und wieviel er lachte – sondern wie um alles in der Welt wir Mäuselchen (sie war per Definition ein Schreikind) beruhigen konnten.

Und wenn wir jetzt bisweilen darüber diskutieren ob, und wenn ja, wann wir noch ein Kind haben werden, dann spüre ich plötzlich auch ein tief in mir drin verborgenes Kribbeln: Lässt sich die Liebe für Zwei Kinder noch auf ein drittes erweitern? Ober kommt es dann doch zu einer “Einbusse” für unsere beiden ersten, insbesondere für Sohnemann? Ich weiss es ehrlich gesagt nicht – allerdings nehme ich die Sache mittlerweile gelassen, denn eines habe ich gelernt: Die Liebe der Eltern wird aus einer unerschöpflichen Quelle gespeist, die nie versiegt.

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