Konjunkturprogramm: Kinderkriegen
Veröffentlicht am Dienstag, 19. Mai 2009, 11:40 | Kein Kommentar
Wenn es mit der Wirtschaft Bachab geht, passieren ja immer wieder komische Dinge. Zum Beispiel werden dann immer jene Leute entlassen, welche nichts dafür können. Ich bin nicht gerade ein Sozialist, aber das ärgert mich. Und jetzt werden Lösungen gesucht, wie dieser Situation begegnet werden soll.
In der FAZ habe ich einen Artikel gelesen, welcher ein eher unkonventionelles Vorgehen vorschlägt. Hintergrund des Artikels ist, dass sehr viele jüngere Frauen in den letzten Monaten ihren Arbeitsplatz verloren haben und noch verlieren werden.
Der Vorschlag von Ulrich Blum ist, dass diese Frauen in der Zeit der Arbeitslosigkeit Kinder kriegen sollen. Seiner Meinung nach sollen sich in der Zeit der Krise junge Paare den Kinderwunsch erfüllen und dabei vom Staat unterstützt werden. Nun, wenn jemand anders diesen Vorschlag gemacht hätte, hätte man wohl lauthals gelacht, die Geschichte rasch zu einem Witz geworden und bald versandet. Allerdings stammt der Vorschlag von Ulrich Blum und das ist nicht irgendwer. Professor Ulrich Blum ist Präsident des Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), einer angesehenen Forschungsstelle für ökonomische Studien und ist alles andere als ein Leichtgewicht.
Nur: Meiner bescheidenen Meinung nach ist es ja nicht so, dass Kinder „gemacht“ werden, weil man gerade Zeit hat. Kinder kriegen ist ein ziemlich langfristiges Unterfangen und dauert (hoffentlich) länger als die derzeitige Krise. Dass in der aktuellen Situation dann sogar noch nach Unterstützung durch den Staat gerufen wird, mutet sogar etwas grotesk an.
Immerhin: Ulrich Blum geht es nicht nur um billige Aufmerksamkeit: Er vergleicht seine Massnahmen mit einem Schutzschirm für Familien ähnlich jenem für die Banken. Seine Massnahmen zielen darauf ab, die jeweils noch berufstätigen Partner stärker zu schützen und die Einkommen der jungen Eltern abzusichern. So soll beispielsweise ein junger Mann, der eben Vater geworden ist, für drei Jahre nicht entlassen werden können.
Wie auch immer: In Zeiten der Wirtschaftskrise haben offensichtlich auch die Wirtschaftsforscher angst um ihren Job. Anders lässt sich dieser abstruse Vorschlag zu einer kurzfristig staatlich subventionierten Steigerung der Geburtenrate kaum erklären. Wären nämlich die familienpolitischen Massnahmen griffig genug, müsste jetzt, in Zeiten der Krise nicht ein Mangel an Arbeitskräften für den in naher oder ferner Zukunft bevorstehenden Aufschwung befürchtet werden.
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