Rosenkohl aus der Kartonschachtel
Veröffentlicht am Donnerstag, 16. Juli 2009, 14:57 | Kein Kommentar
Eigentlich ist es nicht verwunderlich und wer mit offenen Augen unterwegs ist, bräuchte dafür keine Studie: Werbung beeinflusst das Geschmacksempfinden der Kinder. Oder anders gesagt: Kinder – vor allem kleine Kinder – können Wahrheit und Fiktion der Werbe-Spots nicht unterscheiden. Sie sagen sich: Wenn im Fernsehen häufig für etwas Werbung gemacht wird, muss es lecker sein. Und je häufiger desto leckerer. Dass indes auch sehr kleine Kinder durchaus in der Lage sind, eine Verbindung zwischen den Produkten aus der Werbung und denselben Produkten in den Warenregalen der Läden zu machen, ist ebenfalls offensichtlich.
Um auf den Eingang zurück zu kommen: Besagte Studie, sie wurde an der Stanford-University School of Medicine durchgeführt, stellte fest, dass Kindern, die häufig fern sehen – und dabei natürlich auch die Werbung konsumieren – das gleiche Produkt – und sei es auch so trivial wie Milch oder Karotten – besser schmeckte, wenn es ihnen in der Verpackung einer bekannten Fast-Food-Kette offeriert wurde.
Nun, unser Grosser ist jetzt etwas mehr als eineinhalb Jahre und – abgesehen davon, dass sich sein Fernsehkonsum eh in Grenzen hält – noch nicht wirklich empfänglich für Werbung. Zum Glück. Anders liesse sich kaum erklären, dass er auf kulinarische Grenzerfahrungen steht und alles ausprobieren muss. Im Sommer, wenn das Nahrungsangebot schon aus rein biologischen Gründen wesentlich vielfältiger ist, als im Winter, kommt das noch viel deutlicher zum Ausdruck. Warum zu seinen bevorzugten Genussmitteln ausgerechnet sehr saure Dinge stehen, ist mir indes ein echtes Rätsel. Angefangen bei eher unreifen Kirschen, über Himbeeren bis hin zu Johannisbeeren, die er in rohen Mengen und dabei mit offensichtlichem Genuss verdrückt, es muss alles ausprobiert sein. Nun – wir werden uns hüten, ihn davon abzubringen. Sollte sich aber dereinst dennoch eine augenfällige Bevorzugung von Lebensmitteln aus Kartonschachteln und Wachspapieren ergeben, werden wohl auch wir nicht umhin kommen, den verhassten „Röselichööl“ (für alle des alemannischen nicht mächtigen: Rosenkohl) den er zwar noch nie gegessen hat, der derzeit aber in Papas Garten gedeiht und dem wohl noch kein Kind freiwillig zugesprochen hat, in roten Kartons mit gelben Ms zu servieren.
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