Stille Nacht für zwölf Franken achtzig
Veröffentlicht am Mittwoch, 22. Juli 2009, 12:27 | 2 Kommentare
Sohnemann – ich gebe es zu: Wir waren sehr verwöhnt – schlief vom fünften bis zwölften Monat nächtens 11 bis 12 Stunden durch. Es war herrlich. Mit 13 Monaten hatte er eine erste Krise und kam Morgens jeweils immer früher. Wir begannen dann – vielleicht war das ein Fehler – ihm am morgen um sechs einen Schoppen zu geben, mit der Folge, dass er dann jeweils noch einmal schlief bis etwa um acht, halb neun. Für uns eine gute Lösung: Papa konnte den Schoppen geben, bevor er zur Arbeit ging, es passte gut in unseren Ablauf. Mit der Zeit kam er aber immer früher. Wir haben dann gemerkt, dass der Schoppen seine Wirkung tat, solange er ihn nach fünf Uhr erhielt. Gaben wir ihn früher, kam er um halb sieben schon wieder und dann war es mit der Nachtruhe definitiv vorbei. Also gewöhnten wir ihn daran, dass er den Schoppen erst nach fünf erhielt – die biologische Uhr dieser Kleinen ist echt erstaunlich.
Eigentlich klappte es recht gut – bis Mäuschen zur Welt kam. Als die kleine Dame in unserem Haushalt Einzug hielt, brachte dies wohl auch das Ruhgefüge von Sohnemann durcheinander. Sei es, weil er bisweilen das Geschrei der Kleinen hörte, oder einach sonst unruhiger schlief: Von einer Nacht auf die andere war es mit dem Durchschlafen vorbei. Mit drei bis vier Krisen zwischen elf und zwei und dem Gebrüll nach dem Schoppen bereits um viertel vor vier brachte er uns ziemlich an den Anschlag. Das Aufwachen zwischen elf und zwei gab sich relativ rasch wieder und pendelte sich bald einmal bei einem Aufwachen ein, nicht so aber die Schoppentime. Anfänglich haben wir ihn dann einen Moment betütelt, so dass er dann mit etwas Glück noch einmal eine Stunde schlief. Doch irgendwann klappte das nicht mehr: In der Zeit von viertel vor vier bis fünf brüllte er vier bis fünf mal, weil er einfach seinen Schoppen wollte. Mit Hunger hatte dies wenig zu tun, denn oft trank er anschliessend den Schoppen nur zur Hälfte.
Ihr könnt Euch vorstellen, die Sache ging uns – vor allem mir, denn Sohnemann war mein Metier (Mama kümmerte sich um Mäuschen) – mit der Zeit tierisch auf die Nerven. Nun – wer Kinder hat, wird automatisch kreativ. Ich ging mit Sohnemann in den nächsten grösseren Do-it-yourself (heute heissen die anders, aber ich will ja keine Schleichwerbung machen) und kaufte für Fr. 7.90 eine Zeitschaltuhr und für Fr. 4.90 ein Nachtlicht in Form eines Teddybärs. Beides steckte ich – selbstverständlich auch gemeinsam mit Sohnemann – zusammen und dann ein, und zwar in Sichtweite seines Nachtlager. Von meinen wortreichen Erklärungen mag er beim Aufbau dieser Anlage nicht viel verstanden haben, am nächsten Morgen aber merkte er, dass der Schoppen erst kam, wenn der Teddy leuchtete. Es dauerte etwa zwei Wochen, bis er zum ersten Mal nicht mehr zornig nach seinem Schoppen schrie, sondern begann mit dem Bär zu plaudern, als dieser zu leuchten begann. Mittlerweile hat er ihn sogar schon mal verschlafen.
Ich bin absolut überzeugt: Seit wir Kinder haben, investierten wir noch nie Geld in etwas sinnvolleres.
Kommentare
2 Antworten auf “Stille Nacht für zwölf Franken achtzig”
Schreibe einen Kommentar

28. August 2009 @ 13:38
[...] hatte auch ich keine Mühe für die restlichen Dreiviertelstunde, bis zu Sohnemanns Nachtlichteddyschoppentrinkerlaubnis noch einmal tiefen Schlaf zu finden. Und einmal mehr muss ich sagen: Wir Menschen sind einfach [...]
26. Oktober 2009 @ 08:20
[...] bei seiner inzwischen so hervorragend konditionierten inneren Uhr (Die Zeitschaltur – siehe Stille Nacht für zwölf Franken achtzig – brauchen wir schon länger nicht mehr) [...]