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Warum Kinder klettern sollen

Veröffentlicht am Freitag, 1. Juli 2011, 12:36 | 6 Kommentare

Schaukeln macht Spass

Nur richtig hoch schaukeln macht Spass. Oder?

Wie weit sollen Kinder vor den Gefahren des Alltags beschützt werden? Diese Frage stellt sich mir  immer dann, wenn ich Eltern auf einem Spielplatz beobachte. Und nein, keine Angst: Jetzt kommt keine “Väter-trauen-ihren-Kindern-mehr-zu”-Predigt. Wohl ist es erwiesen, dass bei der Betreuung durch Väter mehr Unfälle passieren, aber darum gehts mir nicht.

Was ich meine, ist folgendes: Die meisten Kinder sind mutig, entdeckungsfreudig und bewegen sich beispielsweise auf einem Spielplatz im Rahmen ihrer Möglichkeiten hervorragend. Unfälle auf einem Spielplatz kommen vor, sind aber in der Regel nicht dramatisch und in den meisten Fällen nach der nächsten Fahrt auf der Rutschbahn vergessen. Dennoch sehe ich immer wieder Eltern, die ihre Kinder vor allen existenten und nicht existenten Gefahren beschützen wollen. Die Strickleiter ist tabu, das Seilnetz sowieso und weil die grosse Rutschbahn nur über eine schmale Hängebrücke erreichbar ist, kommt sie sowieso nicht in Frage.

Auf jeden Fall hat es mir fast das Herz abgedrückt, als ich neulich den sehnsuchtsvollen Blick eines gewiss vierjährigen Jungen sah, der am Fuss des Kletterturms stand und wegen des ausdrücklichen Verbots seiner Eltern zusehen musste, wie die anderen Kinder über die Seilbrücke balancierten. Ich frage mich, ob ein aufgeschlagenes Knie oder eine Beule wirklich mehr geschadet hätten, als dieses Gefühl, von etwas Tollem ausgeschlossen zu sein…

Kommentare

6 Antworten auf “Warum Kinder klettern sollen”

  1. SomeintPhia
    6. Juli 2011 @ 10:31

    Man kann das Kind gar nicht vor allem beschützen, denn der Kindergarten ruft ja dann auch schon bald. Und da ist dann die Vollumsorge der Eltern nicht mehr möglich.

  2. Martin
    26. August 2011 @ 21:00

    Da hast du vermutlich schon recht phia… Aaaaber, ich bin überzeugt, dass es Sachen gibt die später nicht mehr zu korrigieren. ist es für ein gröseres Kind im Kindergarten nicht schon viel schwieriger die Angst (sozusagen diejenige der Eltern) noch zu überwinden wenn ihnen immer erklärt wurde wie gefährlich doch diese Hängebrücke ist??

  3. Andrea Mordasini, Bern
    17. September 2011 @ 22:04

    Ich bin Mutter zweier lebhafter, wilder und neugieriger Kinder (4,5 + 3) im typischen Entdecker- und Ausprobieralter und will keine dieser überängstlichen und –vorsichtigen Helikoptermütter sein. Dieser Sicherheitswahn nimmt immer abstrusere Formen an, da kann ich nur noch den Kopf schütteln. Wenn ich höre, dass Eltern ihren Nachwuchs mit Fahrradhelmen „bewaffnet“ auf die Spiel- und Bolzplätze schicken, sträuben sich bei mir die Nackenhaare. Helme gehören auf den Kopf, ganz klar, aber nur und vor allem im Strassenverkehr. Gerade bei Wildfängen ist es nicht immer einfach, nicht überbeschützen zu wollen. Schliesslich will jede Mutter doch nur das Beste für ihr Kind ;-) . Und manchmal ist der Grat zwischen „normaler“ Kontrolle und übermässiger Sicherheit sehr schmal. Ich kann und will meine Kinder aber nicht in Watte packen und ständig vor allen Gefahren beschützen. Sie müssen Gefahren erfahren, natürlich nicht schwere lebensbedrohliche Stürze etc! Sie müssen Gefahren kennenlernen, nur so lernen sie mit ihnen umzugehen und gesunder Respekt davor zu entwickeln. Sie brauchen Freiheiten und müssen auf die Schnauze fallen um wieder aufstehen zu können. Schrammen, aufgeschlagene Knies und blaue Flecken haben weiss Gott noch keinem Kind geschadet und gehören zur gesunden und normalen Entwicklung dazu. Auch ich (Baujahr 1972 ;-) ) habe dies überlebt :-) ! Die Kinder müssen wissen, dass und weshalb Dinge gefährlich sein können. Von hysterischen und panischen Helikoptereltern dauernd überbeschützte und vor Gefahren bewahrte Kinder werden verweichlicht, unsicher und unselbständig. Sie werden in ihrer Entwicklung zu selbstständigen Personen gehemmt und gebremst und draussen im echten Leben, spätestens in der Spielgruppe, Kindergarten, Schule gefahrenmässig auf die Welt kommen. Eine solche Erfahrung will ich meinen ersparen! Dennoch brauchts einige wenige sinnvolle Vorsichtsmassnahmen wie zum Beispiel zu Hause Steckdosen- und Fensterschlosssicherung und sicheres Aufbewahren von Medikamenten/Putzmitteln, unterwegs geprüfte Autositze, korrektes Angurten, Vorsicht vor der Strasse und am Wasser. Dies sollte reichen. Zudem kennen die Eltern ihre Kinder am besten und wissen genau, was und wie viel sie ihnen zutrauen können. Und doch: kämen meine Kinder durch vermeidbare, schwere Unglücksfälle und Fahrlässigkeit meinerseits zu Schaden, würde ich mir zeitlebens die grössten Vorwürfe machen… Eben: Neben Sicherheitsvorkehrungen, etwas Vorsicht und Kontrolle braucht es Vertrauen in seine Kinder und sich selbst, eine Portion Glück, Lockerheit, starke Nerven, gesunder Menschenverstand und eine Heerschar wachsamer Schutzengel. So reifen Kinder zu selbstbewussten, selbstständigen, starken und mutigen Erwachsene heran. Ich wünsche allen Eltern und deren Kindern eine schöne und unfallfreie Zeit :-) !

  4. Papa Pascal
    4. Dezember 2011 @ 23:06

    Ich bin auch dagegen unsere Tochter von dem Spaß und der Erfahrung auszuschließen. Es kann nicht schaden als Eltern sich mit in den Trubel zu stürzen. Wenn ich Angst habe meine Tochter könnte sich verletzen dann bin ich einfach nah genug dabei als das ich ihr den Spaß verwehren würde.

  5. Katrin
    20. Dezember 2011 @ 07:31

    Ich bin Mutter einer 4,5-jährigen Tochter, die ich auf alles klettern lasse, was sie erklettern will, nur: helfen tue ich ihr nicht! Wenn sie irgendwo rauf will, muss sie es selbst schaffen, praktische Hilfestellung kriegt sie nicht. Ich gebe nur gelegentlich Umstände zu bedenken (rutschige Schuhsohlen [also besser barfuß klettern] zu dünne Zweige usw.). Denn wo sie einmal oben ist, muss sie im Notfall auch wieder selbst runterkommen – allein!

    Sie lernt dadurch Übersicht, Planung, Einschätzung von Höhen/Gegebenheiten/eigenen Fähigkeiten sowie Mut, Vertrauen, Erfolg (oder Misserfolg! auch wichtig, wegen der Frustrationstoleranz) und alles in allem Vertrauen in das, was sie kann – ohne Hilfe!

    Die Synapsen und die motorischen Kompetenzen, die dem Kind später die nötige Sicherheit und Körperbeherrschung geben, werden JETZT (bzw. vom ersten Krabbeln an) gebildet, nicht erst dann, wenn die vollumfängliche Überwachung durch die Eltern nicht mehr gegeben ist.

    Kinder müssen klettern dürfen, wenn sie nicht von vornherein zum bewegungsfreien Dasein herangezogen werden sollen, in dem Bewegung ausschließlich bedeutet: die Verortung vom Bett auf einen Stuhl, ins Auto, auf den Bürostuhl, ins Auto, aufs Sofa/in den Kinosessel/auf die Stadiontribüne und wieder ins Bett.

  6. Katrin
    20. Dezember 2011 @ 07:34

    Nachtrag: Klettern ist für meine Süße kein Pflichtprogramm, weil die Mama findet, dass sie “dabei so viel lernt”. Sie ist schon immer wild aufs Klettern gewesen. Intuitiv habe ich ihr es vom ersten Moment an erlaubt, die Erkenntnis, weshalb das so wichtig ist, kam erst später. :-)

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