“Weisch, wenn Du gross bisch…”

9. Februar 2010 | Von Papa | Kategorie: Papablog

Kinder zwingen uns Erwachsene stets von neuem, uns zu begründen, zu hinterfragen – und uns zu ändern. Und dies schlicht durch ihre Sicht der Welt. Dass sich diese grundsätzlich von jener uns Erwachsener unterscheidet, ist beileibe nichts neues. Richtig spannend wird es allerdings dann, wenn sich Meinungen und Denkmuster Erwachsener ins Verhaltensmuster der Kinder einzuschleichen beginnen und diese, ohne es zu wissen, plötzlich zu einem Spiegel ihrer Eltern werden. Besonders augenfällig ist dies bei der Körperhaltung oder bei gewissen Bewegungsabläufen oder Tätigkeiten (beispielsweise beginnen fast alle Kinder in unserem Bekanntenkreis damit, ihre Eltern beim Telefonieren nachzuahmen). Aber natürlich ist es noch viel spannender, wenn Kinder reden und mit irgendwo aufgeschnappten Weisheiten oder stereotypen Äusserungen unbeabsichtigte Situationskomik produzieren.

Bisweilen treibt diese Grundform des Lernens denn auch sonderbare Blüten. Meine Frau hat viel Kontakt zu anderen Müttern mit kleinen Kindern und brachte neulich folgende Geschichte mit nach Hause: Der kleine Sohn einer Freundin interessiert sich neuerdings sehr für Automarken. Dass er sich damit auch auskennt stellt er immer von neuem unter Beweis, so auch vor ein paar Tagen, als er mit seiner Mutter im Aufzug aus der Tiefgarage in den Supermarkt fuhr. Völlig unvermittelt wandte er sich an einen wildfremden Mann und stellte ihm in der beklemmenden Enge der Fahrstuhlkabine die Fragen aller Fragen: “Was für es Auto hesch Du?” Nun, es gab kein Entrinnen. Der Mann antwortete: “E VW”. Ich kann mir ziemlich gut vorstellen, wie der Kleine darauf versuchte – ganz der Papa – die Stirn zu runzeln. Auf jeden Fall meinte er nach einer kurzen Pause und mit unüberhörbarem Bedauern in der Stimme: “Ach weisch, wenn Du gross bisch, chasch der sicher e Mercedes leischte!”

Ich bin mir nicht sicher, ob der so unerwartet einbezogene Herr der Schöpfung diese Antwort erwartet hat – ganz zu schweigen von der Mutter. Aber nichts desto trotz: Die unbestechliche Logik eines Kindes lässt sich nicht von der Hand weisen…

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